Die Idee, Post-its zu gestalten

Eines lausigen Abends, früh im Februar diesen Jahres, ist ein kleines Projekt geboren worden. Anfangs war es bescheidene 38x51 mm groß und wog fast nichts. Jetzt – wenige Monate später – misst es beinahe zwei Quadratmeter und wirft seltsame Schatten ins Wohnzimmer.

An besagtem Abend wurde es gerade dunkel. Mein Mitbewohner Jeremy und ich saßen am Wohn- zimmertisch, haben das schlechte Wetter ignoriert, billigen Rotwein getrunken und die eigenwillige Mix-CD angehört, die Jeremys kanadischer Cousin ihm vor Jahren gebrannt hat. Nebenbei haben wir Post-its »bekritzelt« und an die Fensterscheibe geklebt – zehn oder zwölf Stück an diesem Abend.

Eine Woche später waren es schon knapp dreißig und die Zahl der »Autoren« war ebenfalls gewachsen. Von jetzt an gedieh das Projekt. Im Laufe der Monate haben sich viele Freunde, außerdem Gäste aus England und sogar das Nachbarkind verewigt und das Sammelwerk durch ihre kleinen Kreationen ergänzt.

Inzwischen klebt die Scheibe voll, eine Galerie auf Glas – mit über 300 Zettelchen, und wenn die Sonne herein scheint werden ebensoviele kleine Schatten in den Raum projiziert. Die Zettel zeigen alles Mögliche: Dicke Jungen, fremde Wesen, Murrats Kiosk, Pommes, Bananen und Koks – sogar ein interaktives Post-it ist dabei. Viele sind unbetitelt, andere kommentieren sich selbst.

Die Erkenntnis: Das Post-it als Medium ist unterschätzt – die gelbe Gedankenstütze kennt jeder, hat auch jeder. Vermutlich ist das Post-it sogar das kleinste gängige papierne Medium überhaupt. Eilige Botschaften, dringliche Termine und sinnfreie Kritzeleien finden täglich hunderttausendfach ihren Weg auf das niedliche Format. Doch die »bewusste Gestaltung« einzelner Klebezettel ist rar. Hier öffnet sich ein Kosmos, und dieser soll gefüllt werden – mit Nonsens und Philosophie.

Liebe Leserinnen, liebe Leser. Hiermit seid ihr herzlich dazu eingeladen mitzumachen. Die Fensterscheibe war erst der Anfang. Ab jetzt bekleben wir das Internet. Unter »Sei dabei« könnt ihr nachlesen, was ihr tun müsst, um teilzunehmen. Das nächste Etappenziel ist bereits definiert: Wenn die Tausendermarke erreicht ist, knallen die Korken. Plopp.